Willkommen in der Ashoka Fellowship! Sechs neue Fellows in das Netzwerk aufgenommen

Am 6. November 2012 war es wieder so weit: Die Ashoka Fellowship ist gewachsen. In diesem Jahr freuen wir uns, sechs herausragende Sozialunternehmer als Ashoka Fellows in das internationale Netzwerk aufzunehmen.

Die Impulse von Felix Oldenburg am Abend können Sie hier abrufen. Alle Bilder des Abends finden Sie - danke an unseren Fotografen und Storyteller in Residence Christian Klant - hier.

Sechs herausragende Sozialunternehmer - die neuen Ashoka Fellows. Thorsten Kiefer, Heinz Frey, Elisabeth Raith-Paula, Christian Vieth, Anja Kersten, Christian Vater (Fotografie: Christian Klant)

 

Erfahren Sie mehr über die Fellows und ihre Arbeit:

 

Heinz Frey | DORV-Zentren

Heinz Frey gibt Dorfbewohnern durch den Aufbau von DORV-Zentren die Chance, mit eigener Kraft den in Dörfern und neuerdings auch Stadtquartieren weit verbreiteten Teufelskreis aus kommerzieller Konzentration und Abwanderung zu durchbrechen und Lebensqualität für alle Generationen zu erhalten.

In Deutschland steigt die Anzahl „schlafender Dörfer“, in denen als Folge kommerzieller Konzentration der Einzelhandel und mit ihm weitere Produkte, Dienstleistungen und kulturelle Angebote verschwinden. Mit dem Wegzug derer, die mobil sind und es sich leisten können, verstärkt sich der Effekt – eine wirtschaftliche wie soziale Abwärtsspirale ist oft die Folge. Als 2001 in Jülich-Barmen die letzte Einrichtung ihr Geschäft aufgab, trat Heinz Frey dieser Entwicklung entgegen und entwickelte das Konzept der DORV-Zentren. Seit 2004 bringt er nun zusammen, was auf den ersten Blick nicht zusammen gehört: Lebensmittel und Bürgerservices, kulturelle Angebote sowie soziale und medizinische Versorgung finden die Bürger unter einem Dach. In Planung, Aufbau und Betrieb der DORV-Zentren sitzen die Bürger selbst am Ruder: Sie bestimmen den Bedarf, integrieren die Gemeinschaft, entwickeln das Modell, betreiben das Zentrum - und schaffen die Wiederbelebung ihrer lokalen Gemeinschaft und all das betriebswirtschaftlich nachhaltig ohne Zuschüsse. Aktuell gibt es sieben DORV-Zentren und über 50 Gemeinden berät Heinz Frey. Die Idee strahlt schon heute national und international in Regionalentwicklungs-Programme hinein aus – als Basis für die Sicherung von Nahversorgung, die Wiederbelebung lokaler Gemeinschaften und die Erhaltung lebenswerter Dörfer und Stadtquartiere.

 

Anja Kersten | „Was hab ich?“

Basierend auf dem Online-Übersetzungsservice für medizinische Befunde schafft Anja Kersten die Grundlage für eine umfassende Arzt- Patienten Kommunikation auf Augenhöhe.

Schätzungen zufolge entstehen deutschen Krankenkassen im Jahr Kosten von über 10 Milliarden Euro durch die Nicht-Einhaltung von verordneten Therapien. Die Einhaltung von Therapien hängt dabei nicht zuletzt davon ab, wie zufrieden der Patient mit den Erklärungen des Arztes ist. Ärzte hingegen werden in ihrem Studium kaum für erfolgreiche Arzt-Patienten-Kommunikation ausgebildet. Verständlich erklärende Ärzte und aufgeklärte wie interessierte Patienten sind daher das Ziel von Anja Kersten und ihrem Team von „Was hab ich?“. Über den Online-Übersetzungsservice erhalten Patienten individuelle wie verständliche Erklärungen ihrer medizinischen Befunde - von ehrenamtlichen, fortgeschrittenen Medizin-Studenten und engagierten Ärzten. Im ersten Jahr sind über 4.000 Befunde übersetzt worden, und Anja Kersten arbeitet heute schon mit Krankenkassen und Ärztekammern, um Arzt- Patienten-Kommunikation auf Augenhöhe in der Ausbildung und perspektivisch sogar in der Vergütung zu verankern.

 

Thorsten Kiefer | "WASH United"

Hygieneverhältnisse zu schaffen, die Erkrankungen vermeiden, ist nicht nur eine Frage von funktionierender Infrastruktur. Durch positive Kommunikation, die Einbindung von Sportstars und die Schaffung des WASH United Clubs durchbricht Thorsten Kiefer Tabus, ändert Verhalten und macht einen ganzen Sektor effektiver.

An vermeidbaren Durchfallerkrankungen sterben jährlich 1,8 Millionen Menschen, ein Großteil davon Kinder. Schätzungen zufolge könnten allein durch regelmäßiges Händewaschen mit Seife 40 Prozent der Erkrankungen verhindert werden. Auf dem Weg zu einem neuen Hygienestandard gilt es aber nicht nur, Rohre und Toiletten zu bauen, sondern auch mächtige Tabus und Traditionen zu durchbrechen. Thorsten Kiefer zielt mit WASH United darauf ab, Toiletten und gutes Hygieneverhalten attraktiv zu machen und Verhaltensänderungen anzustoßen. Dafür nutzt er Vorbilder aus der Welt des Sports, macht Kinder zu Clubmitgliedern und überzeugt Erwachsene mit innovativen begleitenden Kampagnen. Dabei erreicht er nicht nur heute schon 40 Millionen Menschen, sondern sorgt auch dafür, dass die Investitionen in Toiletten und andere "Hardware" durch die richtige auf Einstellungs- und Verhaltensänderung abzielende "Software" auch tatsächlich zu besseren Ergebnissen führen. In Subsahara-Afrika und seit kurzem auch in Indien ist WASH United damit ein Modell für innovative und kooperative Problemlösung zwischen Entwicklungszusammenarbeit, sozialen Organisationen, Unternehmen, Regierungen und führenden Akteuren aus der Welt des Sports.

 

Elisabeth Raith-Paula | MFM-Projekt

Unter dem Leitgedanken „Nur was ich schätze, kann ich schützen“ begleitet die Ärztin Elisabeth Raith-Paula Mädchen, Jungen und ihre Eltern in die Pubertät. Ihr Ziel: Körperkompetenz und Wertschätzung des eigenen Körpers fördern – als Basis für einen verantwortungsvollen Umgang mit ihm.

Im Rahmen ihrer Dissertation erkannte Elisabeth Raith-Paula, wie wenig Frauen über ihren eigenen Körper wussten – und das, obwohl der Stand der Aufklärung in Deutschland im internationalen Vergleich hoch ist. Ihre Vorlesung „Die leise Sprache meines Körpers“ wurde schnell zum Highlight – und ist es bei jungen Frauen bis heute. Klar war jedoch: Im Studium kommt diese Aufklärung zu spät. Sie schuf eine Ergänzung zum meist fakten- und problemorientierten Biologieunterricht in der Schule: Im MFM-Projekt werden Mädchen, Jungen und deren Eltern in die Pubertät begleitet. In Workshops für Mädchen („Die Zyklusshow“) und Jungen („Agenten auf dem Weg“) erleben 10-12jährige Kinder die Vorgänge rund um Pubertät, Zyklusgeschehen, Fruchtbarkeit und die Entstehung neuen Lebens altersgerecht, liebevoll, interaktiv, anschaulich und mit allen Sinnen. Der positive emotionale Zugang zum Geschehen in ihrem eigenen Körper steht dabei im Mittelpunkt. Die Eltern werden durch Informationsvorträge mit einbezogen. In der Weiterentwicklung des Projektes werden nun zunehmend weitere Zielgruppen in den Blick genommen, zum Beispiel Jugendliche oder Frauen in den Wechseljahren. Denn dem Leitgedanken folgend möchte das MFM-Projekt Frauen und Männer in allen Lebensphasen – Kindheit, Pubertät, fruchtbare Phase, Wechseljahre – dabei unterstützen, einen positiven Bezug zu ihrem Körper und ihrer Fruchtbarkeit zu entwickeln.

 

Christian Vater | “DEUTSCHLAND RUNDET AUF”

Das Spenden kleiner Beträge beim täglichen Einkauf zur gesellschaftlichen Selbstverständlichkeit werden lassen – das ist das Ziel von Christian Vater und „DEUTSCHLAND RUNDET AUF“. Seine Botschaft: Um die Gesellschaft zum Positiven zu verändern, wird die Unterstützung aller benötigt.

Die Spenderquote in Deutschland liegt bei knapp über 50 Prozent – und das obwohl deutlich mehr Menschen sagen, sie wären grundsätzlich bereit für den guten Zweck zu geben. Mit „DEUTSCHLAND RUNDET AUF“ macht Christian Vater Spenden denkbar einfach und zeigt, dass Spenden auch Spaß macht. Gleichzeitig ermöglicht „DEUTSCHLAND RUNDET AUF” sozialen Initiativen, die nachweislich positiv wirksam sind, durch nationale Kampagnen gesteigerte Sichtbarkeit sowie bedarfsgerechte Wachstumsfinanzierung auf ihrem Weg zur nationalen Verbreitung. Das Prinzip ist einfach: Kunden der teilnehmenden Handelspartner runden beim Einkauf ihren Gesamtbetrag um bis zu 10 Cent auf. Diese kommen zu 100 Prozent den ausgewählten Projekten zugute – bis zu einem vorher definierten Bedarf, danach folgt das nächste Spendenprojekt. Innovativ ist neben dem Spendenprozess und dem begleitenden Marketing – die Botschaft: Gemeinsam schaffen wir in Deutschland gesellschaftliche Veränderung – vor allem die branchenübergreifende und Konkurrenz einbeziehende Einbindung von Handelsunternehmen. Sie finanzieren „DEUTSCHLAND RUNDET AUF“ durch Partnerbeiträge, adaptieren Ihre Kassensysteme und schulen ihre Mitarbeiter. So schafft Christian Vater Mehrwerte für Unternehmen, Kunden und soziale Organisationen, die das System von „DEUTSCHLAND RUNDET AUF“ zum Erfolg führen.

 

Christian Vieth | hofgruender.de

Christian Vieth bringt Landwirte verschiedener Generationen zueinander, um über Modelle außerfamiliärer Hofnachfolge wirtschaftlich gesunde Landwirtschaftsbetriebe und den beteiligten Familien eine Zukunft zu sichern.

Drei Viertel der über 45-jährigen Landwirte auf etwa 300.000 Höfen in Deutschland haben keine gesicherte Hofnachfolge – und so verschwinden unnötig jährlich fast 10.000 oft rentable Betriebe in Deutschland. Dabei stehen nicht nur Existenz und Alterssicherung der Altbauern auf dem Spiel: Durch heterogene klein- und mittelständische Landwirtschaft werden regionale Vielfalt im Angebot gesichert, Monokulturen reduziert, Biolandbau und artgerechte Tierzucht gefördert, der Bezug von Konsumenten zum Produkt bleibt erhalten und lokale Gemeinschaften werden gestärkt. 90 Prozent aller landwirtschaftlichen Neugründungen setzen Maßnahmen des ökologischen Landbaus und der Tierhaltung ein. Christian Vieth bringt über die Onlineplattform hofgründer.de abgebende Landwirte und junge Landwirte mit Gründungsinteresse zusammen und informiert und berät alle Beteiligten durch den Prozess der Übergabe. Um sein Wirken zu verbreitern entwickelte der Agrarökonom die neue Ausbildung für systemische HofübergabeberaterInnen.

Blog Thumbnail: