Fellow, Unterstützer und Mitarbeiter von Ashoka gründen nebenan.de

 

Unser Teammitglied Michael Vollmann hat eine Auszeit bei Ashoka genommen, um sich selbst auf unternehmerische Pfade zu begeben. Zusammen mit Ashoka Fellow Till Behnke, Ashoka Support Netzwerk Mitglied Christian Vollmann und weiteren Gründern hat er nebenan.de auf den Weg gebracht - eine kostenlose, lokale Plattform zum Austausch mit den Nachbarn. In einem Interview spricht er über die Rolle von Nachbarschaft und gibt Einblick in seine neue Unternehmung.

Lieber Michael, wie sind die Eindrücke der ersten Monate als Gründer?

Es ist eine großartige Erfahrung ein Sozialunternehmen wirklich von Null mit aufzubauen. Man lernt jeden Tag so viel Neues und kann zusehen, wie aus einer bloßen Idee eine Unternehmung wird, die das Leben vieler Menschen positiv beeinflusst. Ich kann es nur jedem ans Herz legen immer wieder einen Neuanfang zu wagen, sozialunternehmerisch tätig zu werden und ins kalte Wasser zu springen. Es ist immer eine Überwindung die eigene Komfortzone zu verlassen und sich in unbekanntes Terrain zu begeben, aber es lohnt sich!

In meiner täglichen Arbeit geht es jetzt natürlich deutlich lokaler zu als in meiner Funktion bei Ashoka, wo ich ja wirklich global im Einsatz war. Nebenan.de hat mit in kürzester Zeit in die unterschiedlichsten Nachbarschaften unseres schönen Landes gebracht. Ich habe schon unzählige lokale Initiativen und enorm engagierte Nachbarn kennenlernen dürfen. Das bereichert und motiviert ungemein!

Worum geht es Euch eigentlich bei nebenan.de?

 Nachbarschaft wird heutzutage häufig sehr stiefmütterlich behandelt. Dabei ist sie neben Familie&Freunden sowie Beruf&Arbeitsleben die dritte wichtige soziale Säule in unserem Leben. Nebenan.de hilft als lokale Nachbarschaftsplattform beim Aufbau und der Pflege nachbarschaftlicher Beziehungen. Nachbarn mit gleichen Interessen oder ergänzenden Fähigkeiten können sich finden und gegenseitig unterstützen. Es geht um ein Miteinander, von dem jeder in jeder Lebenslage profitieren kann. Die Relevanz entsteht durch die Nähe und die Echtheit der Menschen. Nachbarschaft auf nebenan.de wird also online initiiert, wirkt aber auch offline und soll das echte (analoge) Leben verbessern. Jeder engagierte Nachbar kann seine eigene Nachbarschaft starten. Wenn er möchte, helfen wir ihm dann dabei, möglichst viele seiner Nachbarn in die gemeinsame Nachbarschaft einzuladen.

Wie entwickelt sich Eure Unternehmung aktuell?

 Wir sind wirklich sehr glücklich zu sehen, dass die Nachbarn die Plattform annehmen und jeden Tag tolle Dinge entstehen und vor allem auch Menschen allen Alters und den unterschiedlichsten Hintergründen aktiv sind. Es finden Stammtische statt, gemeinsame Joggingrunden, Babysitter werden vermittelt und Fahrräder, Werkzeug oder Küchenutensilien ausgeliehen. Zwei Nachbarn, die bisher im Sommer jeden Tag auf den Friedhof gegangen sind, um die Blumen zu gießen, teilen sich nun die Arbeit und bewässern jetzt auch das Grab des anderen.

Aktiv sind wir mittlerweile deutschlandweit. Die nachbarschaftlich lebhaftesten Städte sind Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Leipzig, Nürnberg, aber auch Dresden und Düsseldorf.

Ihr seid grad Teil des „Land der Ideen“ geworden unter dem Motto NachbarschafftInnovation - Gratulation! Was bedeutet dieses Motto für Euch?

 Vielen Dank! Wir sind sehr stolz, nach nicht mal einem Jahr mit diesem Preis ausgezeichnet worden zu sein.

Das Potenzial, die Gesellschaft mit dieser Plattform positiv zu beeinflussen, ist enorm. Wir sehen in unseren rund 600 Nachbarschaften, dass die vielen alltäglichen und manchmal banal klingenden Kontakte auf der Plattform den ganz großen sozialen Herausforderungen und gesellschaftlich negativen Trends begegnen. Und wir sehen, dass durch diesen hyperlokalen Ansatz die Schwarmintelligenz aller genutzt werden kann. Gute Ideen werden im Kleinen (z.B. einer Nachbarschaft von einem Nachbarn) initiiert, haben aber das Potenzial einen Mehrwert in allen aktiven Nachbarschaften zu leisten. Das ist in unseren Augen innovativ, bottom-up und zukunftsweisend.

Und zu guter Letzt: Was ist geplant, wo geht die Reise hin?

Die nächsten Städte, in denen Nachbarschaften eröffnet werden, sind unter anderem Kiel, Mainz, Bonn, Dortmund, Essen, Magdeburg und Freiburg. Wir freuen uns, dass auch in diesen Städten bereits die ersten Nachbarn angemeldet sind. Wichtig sind uns dabei ein nachhaltiges Wachstum sowie langfristige Hilfestellung für die Nachbarn, wie sie in ihrer Nachbarschaft aktiv sein und auch andere Nachbarn mit „mitmachen“ motivieren können. So bieten wir beispielsweise jetzt schon Webinare an, in denen wir Tipps zur Nutzung von nebenan.de geben und schöne Beispiele aus den Nachbarschaften mit allen teilen. In ein, zwei Monaten werden wir außerdem unsere iOS und Android App launchen, die den Nachbarn eine noch einfachere und intuitivere Nutzung ermöglichen soll.

 

Die GründerInnen von nebenan.de, u.a. Till Behnke (oben links), Michael Vollmann (oben mittig) und Christian Vollmann (unten links)

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