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Ashoka Fellows 2008

Am 19. November werden die deutschen Social Entrepreneurs feierlich in München geehrt. Hier sind die Porträts: 

Social Entrepreneur Meinrad Armbruster

Prof. Dr. Meinrad Armbruster bekämpft eine der größten Ungerechtigkeiten in Deutschland: dass Kinder aus armen, bildungsfernen Schichten schlechtere Bildungs- und Berufschancen haben als Kinder aus gutem Elternhaus. Meinrad Armbrusters Hebel: Er setzt frühzeitig bei den Eltern aus sozial benachteiligten Verhältnissen an und befähigt sie, Kompetenzen als gute Eltern und Erzieher zu entwickeln. Denn nur so kann ihren Kindern die entscheidende Unterstützung in den sensiblen ersten Lebensjahren zuteil werden, bevor Kindergarten oder Schule Einfluss nehmen. Die Eltern-AG baut zwischen Schwangerschaft und erstem Schultag auf Selbsthilfekräfte und positive Alltagserfahrung; darüber hinaus vernetzt sie Familien mit Kindergärten, Ämtern und Kinderhilfsorganisationen und ermöglicht so den Ausbruch aus der gesellschaftlichen Isolation. In Sachsen-Anhalt gestartet und dort auf 80 Elternworkshops ausgeweitet, bereitet Meinrad Armbruster die überregionale Verbreitung der Eltern-AG durch ein Social Franchise System vor. Entwickelt hat er das Konzept im Rahmen seiner Professur an der Hochschule Magdeburg-Stendal.

Zur Webseite: www.eltern-ag.de

Zum Videoportrait von Meinrad Armbruster

 

Social Entrepreneur Till Behnke

Till Behnke baut einen neuartigen online-Philanthropie-Marktplatz auf, der die Beziehung zwischen Geber und Nehmer revolutioniert: Seine Internetplattform betterplace.org ermöglicht es kleinen sozialen Organisationen, ihre Projekte bekannt zu machen, indem sie unabhängig von ihrer Größe durch Qualität überzeugen können. Auf der anderen Seite hilft es Kleinspendern, ihr Geld strategisch zu vergeben. Was daran neu ist? Die Webseite kombiniert Rating-Systeme mit sozialen Netzwerken und sorgt so für radikale Transparenz. Soziale Organisationen können ihr Profil einstellen, werden aber von Usern bewertet. Der Clou dabei: Jeder Nutzer kann sehen, in welchem Verhältnis ein Bewerter zur Organisation steht, ob es sich beispielsweise um wissenschaftliche Experten, Empfänger oder Geldgeber handelt. Er kann auch sehen, ob der Bewerter Kontakt zum eigenen Netzwerk hat. Auf Basis dieser Information kann er entscheiden, ob er dem Urteil des Bewerters traut und die Organisation per Spende unterstützt oder nicht. So macht betterplace kundiges, transparentes Spenden auch im kleinen Rahmen möglich. Gleichzeitig erhalten Organisationen die Chance und die Verantwortung, aktiv um Unterstützung zu werben. Ende 2007 gegründet, baut Till Behnke betterplace Schritt für Schritt aus, gewinnt internationale Bekanntheit und bietet inzwischen auch Unternehmen professionelle Mitarbeiterbeteiligungsmöglichkeiten an.

Zur Webseite: www.betterplace.org

Zum Videoportrait von Till Behnke

 

Social Entrepreneur Gabriela Ender

Gabriela Ender macht jede Organisation und Interessengruppe zum eigenständigen Change-Maker. Ihre Internet-basierte Konferenz- und Beteiligungsmethode OpenSpace-Online® löst das Problem, dass Unternehmen oder soziale Organisationen bei dringenden Herausforderungen nicht über Entfernungen hinweg auf das Know-how und Engagement ihrer Mitarbeiter und Stakeholder zurückgreifen können. Durch Konzentration der Entscheidungen auf die Führungsebene verebbt schnell der Gestaltungswille der übrigen Interessengruppen und Probleme werden nur punktuell gelöst. Im Gegensatz dazu hilft OpenSpace-Online zeitnah und klimaschonend die Menschen zusammen zu bringen, die ein gemeinsames Interesse an der Lösung eines Problems haben: Mit Hilfe eines virtuellen Begleiters können bis zu 125 Personen gemeinsam in Echtzeit konstruktiv und zügig Lösungen erarbeiten und mit den dokumentierten Ergebnissen sofort in die Umsetzung gehen. Dadurch wird kollektives Wissen und Engagement sichtbar und Veränderungsprozesse wertschätzender, demokratischer und nachhaltiger. Gabriela Ender ermöglicht so sozialen Organisationen weltweit, die sonst nie das Budget und die Möglichkeit hätten, miteinander konstruktiv zu arbeiten und vereinfacht zudem die sektorübergreifende Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Bisher hat OpenSpace-Online weltweit bereits kollektive Lösungen zu Themen wie Klimaschutz, Stadtplanung oder Gesundheitsvorsorge hervorgebracht. Von Berlin aus geht Gabriela Ender nun in die weitere nationale und internationale Ausweitung.

Zur Webseite: www.OpenSpace-Online.com

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Social Entrepreneur Michael Gleich

Michael Gleich propagiert einen konstruktiven Journalismus, der Lösungen gesellschaftlicher Probleme in den Mittelpunkt stellt und sozialen Wandel unterstützt. Mit seiner Initiative Peace Counts trainiert und vernetzt er Journalisten in Konfliktregionen von Kolumbien bis Sri Lanka, damit sie sich nicht als Sprachrohr von Regierungen missbrauchen lassen, sondern unabhängig recherchieren. Sie werden ermutigt, auch über diejenigen Menschen zu berichten, die gegen Hass und Gewalt erfolgreich vorgehen. Die Geschichten dieser Friedensmacher vertreibt Michael Gleich mit der Agentur Zeitenspiegel an nationale und internationale Medien. In Kooperation mit dem Institut für Friedenspädagogik bringt er sie als Unterrichtsmaterial an Schulen in Deutschland und in Konfliktregionen. Kinder und Jugendliche lernen am Beispiel lebender, charismatischer Vorbilder, wie sich jeder Einzelne für Frieden einsetzen kann – spannender als in jedem Videospiel. Mit Culture Counts hat Michael Gleich eine weitere Initiative gegründet, die kulturelle Vielfalt als Chance und wesentliche Voraussetzung für sozialen Frieden begreift. Sie dokumentiert, wie Menschen verschiedener Herkünfte und Hautfarben konstruktiv zusammen leben und arbeiten können: ein medialer Beitrag zur Integration.

Zur Webseite: www.culture-counts.org

Zur Webseite: www.peace-counts.org

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Social Entrepreneur Gregor Hackmack

Gregor Hackmack stärkt demokratisches Staatsbürgersein: Seine Online-Plattformen abgeordnetenwatch.de und kandidatenwatch.de zeigen, dass hinter Parteien Menschen stecken, die Politik machen, und dass es Bürger sind, die diesen Leuten ein Mandat erteilen. Über Onlinemedien wie z.B. Spiegel Online, Die Welt und Die Süddeutsche Zeitung werden Bürger durch Eingabe ihrer Postleitzahl direkt zu ihrem Abgeordneten weitergeleitet. Dort treten sie nicht nur direkt mit Abgeordneten oder Kandidaten aus ihrem Wahlkreis in Dialog. abgeordnetenwatch.de macht auch das Verhalten gewählter Volksvertreter transparent, indem es deren Abstimmungsverhalten und alle Fragen und Antworten von und an Abgeordnete öffentlich dokumentiert. Das ermöglicht es jedem Bürger, per Mausklick zu sehen, inwiefern die Rhetorik eines Politikers langfristig seinen Taten entspricht. Über die Zeit hinweg entwickelt sich so ein kollektives Gedächtnis politischen Verhaltens. Gleichzeitig erhalten Abgeordnete -die sonst nur das Sprachrohr des Wahlkampfes haben- die Möglichkeit, über die online Plattformen direkten Kontakt zu einer breiteren Basis zu halten und neue Ideen zu testen. Durch einen rigorosen Ethik-Codex und externe Moderatoren schaffen es Gregor Hackmack, Mitgründer Boris Hekele und ihr Team, die Neutralität der Plattform zu wahren und Missbrauch zu verhindern. Er ist dabei, das Modell auf die Landtage aller Bundesländer und auch international zu verbreiten.

Zur Webseite: www.kandidatenwatch.de

Zur Webseite: www.abgeordnetenwatch.de

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Social Entrepreneur Ursula Sladek

Ursula Sladek hat bereits in den neunziger Jahren – vor der gesetzlichen Liberalisierung – durch ihre Bürgerinitiative das Preismonopol auf dem Energiemarkt gebrochen. Sie hat gezeigt und vorgelebt, dass Bürger die Produktion und den Vertrieb von Elektrizität selbst in die Hand nehmen können. Die Elektrizitätswerke Schönau, die sie gemeinsam mit ihrem Mann Michael ins Leben rief, waren und sind der Vorreiter für grüne Energie in Deutschland. Sie beliefern mehr als 75.000 Kunden direkt mit kernkraftfreiem Strom und spornen andere Anbieter dazu an, ebenfalls Produkte aus regenerativen Quellen zu offerieren. Anstatt möglichst viel Strom zu verkaufen, hilft Ursula Sladek ihren Kunden, möglichst viel Energie zu sparen. Darüber hinaus verfolgt sie eine große Zukunftsvision: die dezentrale, umweltfreundliche Produktion und Einspeisung von Energie. Sie ermöglicht es Privathaushalten ebenso wie kleinen Betrieben und Kommunen, durch Solaranlagen oder Mikro-Blockheizkraftwerke, die im Keller installiert werden können, Selbstversorger zu werden und ihre Überproduktion zurück ins Netz zu speisen. Die Energieeffizienz der kleinen Kraftwerke liegt bei 90%. Zum Vergleich: große Kohlekraftwerke haben eine Energieeffizienz von 30 bis 40%, der Rest geht als Wärme verloren. Ihr Ziel ist, dass bis 2050 fast 100% aller Energie in Deutschland aus grünen, energieeffizienten Quellen stammt.

Zur Webseite: www.ews-schoenau.de

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Social Entrepreneur Rose Volz-Schmidt

Rose Volz-Schmidt weiß aus eigener Erfahrung, dass das gesellschaftliche Bild der glücklich-zufriedenen jungen Mutter selten der Realität entspricht: Frauen aus allen sozialen Schichten fühlen sich in den ersten Wochen nach der Geburt oft hilflos und allein und haben in anonymen Großstädten keine Unterstützung von Familie oder Nachbarn. Rose Volz-Schmidt Organisation wellcome schließt diese Lücke: wellcome koordiniert ein Netzwerk von Freiwilligen – meist erfahrene Mütter und Großmütter – die sich in den ersten Monaten nach der Geburt um die praktischen und emotionalen Bedürfnisse von jungen Familien kümmern. Gleichzeitig knüpft es Netzwerke zu Ärzten und Hebammen, die Frauen an wellcome verweisen und aktiv mithelfen, dass gesellschaftliche Bild der selbstlos-glücklichen Supermutter der Realität anzupassen, Frauen entsprechenden Druck zu nehmen und postpartaler Depression und familiären Konflikten vorzubeugen. Umgekehrt verweisen wellcome-Mitstreiter Mütter und Kinder, die in schwierigen Situationen leben, an Ärzte und Beratungsstellen. Rose Volz-Schmidt vertreibt wellcome über ein Social Franchise System an Partnerorganisationen in immer mehr Städten in Deutschland.

Zur Webseite: www.wellcome-online.de

Zum Videoportrait von Rose Volz-Schmidt