Ashoka Internationale Webseiten Suchen


 
drucken
email
Facebook
 

Ashoka Fellows 2009

Am 06. Oktober wurden die deutschen Ashoka Fellows feierlich im Allianz Stiftungsforum in Berlin geehrt. Hier sind ihre Porträts:

Social Entrepreneur Christian Hiß

In Deutschland hat die Landwirtschaft zu einem großen Teil ihren regionalen Bezug verloren. Fehlende Hofnachfolgekonzepte, aufgegebene lokale  Wirtschaftsstrukturen und keine Finanzierungsmöglichkeiten für Investitionen sind nur einige Beispiele der zahlreichen Probleme lokaler, nachhaltiger Kleinbetriebe. Mit der Regionalwert AG hat Christian Hiss ein Finanzierungsmodell geschaffen, welches es Bürgern und anderen Kleininvestoren ermöglicht, in ihre lokale und sozialökologisch nachhaltige Nahrungsmittelproduktion zu investieren. Als Aktionäre einer Art Holdinggesellschaft für nachhaltige Landwirtschaftsbetriebe können sie selbst über die Balance der finanziellen, ökologischen und sozialen Rendite ihrer Investition entscheiden. Dadurch wird nicht nur dringend benötigtes Kapital mobilisiert, gleichzeitig wird auch die Bevölkerung wieder in die lokale landwirtschaftliche Wertschöpfung miteinbezogen. Das innovative Reporting, welches die Regionalwert AG jährlich in ihrem Jahresbericht ablegt, setzt neue Standards im Bereich der nachhaltigen Landwirtschaft und zeigt einen Weg zu mehr Transparenz auch für andere Aktiengesellschaften auf. Neben ihrem regionalen Wachstum dient die Regionalwert AG bereits als replizierbares Modell für andere Wirtschaftsbereiche und berät Bürgerinitiativen im In- und Ausland.

Zu der Webseite: http://www.regionalwert-ag.de

Zum Videoportrait von Christian Hiss>>>


Social Entrepreneur Joachim Körkel

Sechs Prozent der deutschen Bevölkerung konsumieren illegale Drogen. 175.000 sind abhängig von Heroin und anderen „harten Drogen“ – mit gesellschaftlichen Folgekosten von etwa 6,7 Milliarden Euro jährlich. Die meisten Behandlungsangebote haben Suchtmittelfreiheit nicht nur zum Ziel, sondern setzen Abstinenz für die Zeit der Therapie voraus – und stellen damit eine für viele Abhängige unüberwindliche Hürde dar. Joachim Körkel hat mit seiner langjährigen klinischen Erfahrung und als Professor im Bereich der Rückfallforschung einen alternativen Weg gefunden. Sein Selbstmanagement-Trainingsprogramm KISS („Kontrolle im selbstbestimmten Substanzkonsum“) fördert die bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsumverhalten sowie seinen Folgen und mobilisiert eine starke Änderungsmotivation. Darauf aufbauend wird der Konsum in 12 Schritten selbstbestimmt reduziert oder beendet. Das KISS-Programm führt auf diese Weise Drogenabhängige, die nicht abstinenzbereit oder -fähig sind, über eine selbstverantwortliche Reduktion ihres Drogenkonsums an ein sozial integriertes Leben heran. KISS arbeitet innerhalb der Institutionen der Drogenhilfe und ergänzt sie um ein erwiesen erfolgreiches, zusätzliches Hilfsangebot für Abhängige jeglicher Drogen. KISS läuft derzeit in mehreren deutschen Städten und expandiert gerade nach Österreich und in die Schweiz.

Zur Webseite: www.kiss-heidelberg.de

Zum Videoportrait von Joachim Körkel>>>

 

Social Entrepreneur Manuela Richter-Werling

Psychische Probleme sind in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Jeder dritte Mensch ist davon im Laufe seines Lebens betroffen, Kinder ebenso wie Erwachsene. Etwa 3 Millionen Kinder leben mit psychisch erkrankten Eltern. Dem gegenüber stehen Stigma, Diskriminierung und Ausgrenzung als nach wie vor größte Hindernisse, mit denen psychisch kranke Menschen zu kämpfen haben und die sie davon abhalten, sich Hilfe zu holen. Dabei ist erwiesen, dass eine frühe Behandlung von psychischen Krankheiten sowie die Stärkung durch das direkte Umfeld die Chancen einer Heilung drastisch erhöhen. Manuela Richter-Werling kämpft mit dem Schulprojekt “Verrückt? Na und!” in der Zielgruppe der Schulkinder für einen offenen und tabufreien Umgang mit genau diesem Thema. Der Verein nutzt die persönliche Begegnung von Jugendlichen mit Betroffenen als Schlüssel zur Veränderung der eigenen Wahrnehmung von psychischen Krisen und zu Ressourcen seelischer Fitness. In einem offenen Dialog tauschen sich Betroffene, Schüler und Lehrer über ihre Erfahrungen aus und reflektieren über ihr persönliches Krisenbewältigungssytem. Teilnehmende Lehrer erhalten hierdurch einen tieferen Einblick in den Gesundheitszustand ihrer Klasse und werden mit anschließenden Trainings befähigt, ihre Schlüsselrolle als Bezugsperson im Leben der Heranwachsenden besser auszufüllen. Über das bundesweite Filmfestival “Ausnahmezustand” gewinnt das Projekt systematisch neue Partner. Mehr als 30 regionale Gruppen sowie Teams in Tschechien und der Slowakei arbeiten bereits nach dem Konzept von “Verrückt? Na und!”. Manuela Richter-Werling engagiert sich derzeit weiter für die bundesweite und internationale Ausbreitung ihres Netzwerkes aus Regionalgruppen.

Zur Webseite: www.irrsinnig-menschlich.de

Zum Videoportrait von Manuela Richter-Werling>>>

 

Social Entrepreneur Sandra Schürmann

Die Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit führen für junge Menschen schnell zu einem sinkenden Selbstwertgefühl, zu sozialer Isolation und somit zu einem Teufelskreis, aus dem im Durchschnitt nur 30% der jugendlichen Teilnehmer durch klassische Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen befreit werden können. Sandra Schürmann hat mit JobAct® ein Konzept entwickelt, dass den Jugendlichen Zeit, Raum und Möglichkeiten bietet, zu erfahren, was es bedeutet, sich für eine Sache zu begeistern. In einem 10-monatigen Theater- und Bewerbungsprojekt erarbeiten sie von Themenfindung, über die Texterarbeitung, Bühnenbild, Licht und Ton, Kostüme und Maske bis hin zur Pressearbeit, Planung und Durchführung der Aufführungen alles selbst - stets in Begleitung eines Theater- und eines Sozialpädagogen, die in jeden einzelnen individuell Vertrauen setzen. Im Bewerbungsmanagement trainieren die Jugendlichen auf ein selbst organisiertes 5-monatiges Praktikum hin. Die Arbeit am Theaterstück und das Bewerbungsmanagement werden durch Biografiearbeit verbunden.Auf diese Weise schafft es JobAct® die inhärente Motivation und Kraft der Jugendlichen zu stärken, um sich als sinnvoll gestaltende Menschen für sich und die Gemeinschaft einzusetzen. Alle Teilnehmer absolvieren ein Praktikum, aus denen in 60 Prozent der Fälle eine Festanstellung resultiert. Mit der Gründung der Projektfabrik verwirklicht Sandra Schürmann eine Strategie zur Umsetzung und Verbreitung des Konzeptes. 1650 Menschen konnten innerhalb von 3 Jahren bundesweit an über 60 JobAct®-Projekten teilnehmen.

Zur Webseite: www.projektfabrik.org

Zum Videoportrait von Sandra Schürmann>>>

 

Social Entrepreneur Marion Steffens

Fast jede vierte Frau in Deutschland erlebt im Laufe ihres Lebens häusliche Beziehungsgewalt. Scham, Angst und Stigmatisierung führen jedoch dazu, dass nur ein Bruchteil der Betroffenen die bestehenden Unterstützungsangebote annimmt. Häusliche Gewalt als Ursache einer Reihe von Erkrankungen ist zwar wissenschaftlich erwiesen, jedoch sind sich die wenigsten Ärzte ihrer Schlüsselfunktion in der Diagnose und als Erstkontakt für Opfer bewusst. Marion Steffens unterstützt die relevanten Berufsgruppen im Gesundheitswesen dabei, Folgen häuslicher Gewalt zu erkennen und adäquat zu reagieren - auch wenn die Opfer nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit der Gewalterfahrung zu ihnen kommen. Ihr Netzwerk GESINE sensibilisiert durch bedarfsgerechte Weiterbildung und schafft gleichzeitig regionale Netzwerke von Organisationen zur Unterstützung von Opfern häuslicher Gewalt, an die Ärzte und andere Akteure im Gesundheitswesen betroffene Frauen überweisen können. Damit gelingt es ihr, nicht nur eine deutlich höhere Zahl von Opfern zu erreichen und Hilfe aus einer Hand anzubieten. Dank rigoroser Qualitätskontrolle beendet sie den häufig bestehenden Spießroutenlauf vieler Frauen und stellt sicher, dass Frauen bei allen Netzwerkmitgliedern sensibel und effizient Hilfe erhalten. Das GESINE Netzwerk befähigt über eine mehrstufige Train-the-Trainer-Ausbildung relevante Organisationen, ihre eigenen regionalen Netzwerke im Bereich der häuslichen Gewaltprävention aufzubauen. Gestartet im Ennepe-Ruhr-Kreis wird GESINE seit Kurzem als bundesweites Modellprojekt von der Bundesregierung gefördert und arbeitet derzeit mit weiteren Partnern an der Verbreitung in andere Regionen.

Zu der Webseite: www.gesine-net.info

Zum Videoportrait von Marion Steffens>>>


Social Entrepreneur Michael Stenger

Michael Stenger hebt eines der verborgensten und meist unterschätzen Potentiale unseres Landes: die Motivation junger Flüchtlinge, ein produktiver Teil unserer Gesellschaft zu werden. Mit der Gründung der SchlaU (Schulanaloger Unterricht)-Schule, einer Münchner Privatschule der besonderen Art,erreicht er die wohl chancenlosesten jungen Menschen in Deutschland: Junge Asylanten zwischen 16 und 18, die unter oft traumatischen Bedingungen nach Deutschland gekommen sind und hier weder Schulrecht genießen noch arbeiten dürfen. Häufig unter Druck, die zurückgebliebene Familie ernähren zu müssen, driften sie schnell in die Illegalität ab. SchlaU schafft eine Alternative:Ein breites externes Netzwerk aus Psychologen, Sozialpädagogen, Anwälten und Freiwilligen befähigt SchlaU-Schüler, junge Asylanten aus aller Welt, nicht nur in 2 Jahren deutsch zu lernen, sondern in der gleichen Zeit auch noch einen berufsqualifizierenden Schulabschluss zu erreichen. 100% der Absolventen bestanden im Jahr 2009 bei einer externen Prüfung an staatlichen bayrischen Hauptschulen ihren Abschluss – und das, obwohl Michael Stengers Schule pro Schüler deutlich billiger ist als der staatliche Counterpart. Damit hat Michael Stenger ein Beispiel für vorbildhafte interkulturelle Pädagogik geschaffen, das jetzt schon weite Kreise zieht. Zudem erbringt SchlaU jährlich den Beweis für das ungeheure Potential eines jeden Menschen, egal welcher Herkunft und Vorgeschichte. Michael Stenger arbeitet an der Ausbreitung seines Schulkonzepts nach Nürnberg, Berlin und darüber hinaus. Schon jetzt hat er durch seine Arbeit die Asyl- und Flüchtlingspolitik nicht nur in Bayern entscheidend mitbeeinflusst.

Zur Webseite: www.schlau-schule.de

Zum Videoportrait von Michael Stenger>>>


Social Entrepreneur Katja Urbatsch

In Deutschland nehmen Abiturienten mit nicht-akademischer Herkunft im Vergleich mit Abiturienten aus Akademikerfamilien nur halb so oft ein Hochschulstudium auf – bei identischer Qualifikation. Katja Urbatsch zielt mit ArbeiterKind.de auf die wichtigsten Hemmnisse dieser systematischen Bildungsungerechtigkeit, die oft in den Familien selbst liegen: Annahmen über finanzielle Hindernisse, mangelndes Selbstvertrauen und ein oft geringes Ansehen des Studiums selbst. ArbeiterKind.de gibt der Gruppe erstmals eine positive Identität, und liefert Informationen über Karriereoptionen, Finanzierungsmöglichkeiten, praktische Hilfe fürs wissenschaftliche Arbeiten und viele weitere, wichtige Einblicke und Argumentationshilfen für ein Studium. Darüber hinaus erleichtert ein bundesweites Netzwerk von studentischen Mentoren mit kostenloser Beratung, lokalen Stammtischen und Ortsgruppen die fehlende Orientierung vor und während des Studiums und ersetzt somit nicht existente soziale Kontakte im akademischen Umfeld. Zunächst entstanden als überraschend erfolgreiches Modellprojekt in Gießen, verbreitet Katja das Konzept inzwischen an über 70 Standorten bundesweit.

Zur Webseite: www.arbeiterkind.de

Zum Videoportrait von Katja Urbatsch>>>