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3. Wann ist die Gründung eines Social Business sinnvoll?

Während Yunus die Aufmerksamkeit richtigerweise auf eine stärkere Professionalisierung des sozialen Sektor, stellt sich schnell die Frage, wie Social Entrepreneurs in der Praxis zu struktureller und finanzieller Nachhaltigkeit gelangen können, wenn der Wert ihrer Lösungen nicht in einem freien Markt definiert wird.

Dabei ist wichtig: Inhalt und Ziel der Arbeit von Social Entrepreneurs sind grundsätzlich gemeinnütziger Natur. Sie wollen nicht sich selbst bereichern, sondern Menschen helfen, sich selbst zu helfen, und soziale Missstände lösen. Die Generierung von Einkommen ist daher diesem Ziel eindeutig untergeordnet bzw. wird von diesem vorgegeben. Die meisten Social Entrepreneurs sind in ihrem Geschäftsmodell zumindest teilweise von Spenden abhängig. Das liegt nicht daran, dass sie unfähig sind, zu kalkulieren oder unternehmerisch vorzugehen, sondern in der Natur ihrer Arbeit: Es gibt im sozialen Sektor an vielen Stellen noch keinen Markt und kein freies Spiel von Angebot und Nachfrage, das es erlauben würde, einen Preis für Dienstleistungen zu nehmen.

Wer zahlt?
Der Weg zur Einkommenserzielung hängt zudem daher stark davon ab, ob es für das thematische Anliegen des Social Entrepreneurs zahlende Nachfrager, also einen Markt gibt: Wer wie Ashoka Fellow Judy Korn mit straffälligen Jugendlichen im Gefängnis arbeitet, wird es schwerer haben, Einkommen mit seiner Zielgruppe zu generieren als Ashoka Fellow Franz Dullinger, der Kommunen hilft, sich unternehmerisch zu betätigen, und einen Regionalentwicklungsfonds gegründet hat, der eine kleine Rendite erwirtschaftet. Einkommen kann also sowohl mit der Zielgruppe selbst aber auch anderen Interessengruppen (Staat, Philanthropen) generiert werden.

Der Zeitpunkt im Lebenszyklus
Darüber hinaus spielt auch der Zeitpunkt im Lebenszyklus eines Social Entrepreneurs eine Rolle: Ein Social Entrepreneur, der vor dem Durchbruch seiner Idee steht, braucht häufig noch philanthropisches Wagniskapital mit längerer Laufzeit, sog. „patient capital“. Mit zunehmender Reife des Social Entrepreneurs und Weiterentwicklung des Geschäftsmodells kann dann ggf. ein einkommensgenerierender Arm hinzugefügt und somit die Organisationsstruktur in ein hybrides Modell aus profitablen und gemeinnützigen Elementen oder ganz in ein Social Business überführt werden.

Rechtliche Bedingungen für Hybridmodelle
Was in der Theorie gut klingt, ist in der Realität schwer als Organisationsform umzusetzen: Das deutsche Recht trennt strikt zwischen Organisationen, die im Wesentlichen auf gemeinnützige Zwecke ausgerichtet sind (z.B. Stiftung, e.V., gGmbH, gAG) und profitorientierten Unternehmen (z.B. GmbH, AG, KGaA). Gerade das Steuerrecht macht es schwierig, ein hybrides oder Social Business-Modell auf eine attraktive rechtliche Grundlage zu stellen. Anders als in England beispielsweise gibt es in Deutschland keine geeignete Form für Unternehmungen, die zwar Profite generieren, diese aber wieder reinvestieren, um ihre gemeinwohlorientierte Wirkung noch zu verstärken. In England existiert eine solche Rechtsform bereits, die sogenannte Community Interest Company (CIC).13 Ashoka hat mit der Initiative „Social Financial Services“ gerade die Verabschiedung eines solchen Gesetzes für einige Bundesstaaten in den USA bewirkt: Dort wird ein Hybridmodell legalisiert, das sich „Low profit Limited Liability Company“ oder auch L3C nennt. Es lässt als Unternehmenszweck gemeinnützige Ziele zu, erlaubt aber ein hybrides Modell aus Zuwendungen und Einkommen. Ashoka arbeitet derzeit daran, dass Hybridmodelle auch in Europa und Asien gesetzlich verankert werden.

Allen Social Entrepreneurs ist es also gemein, dass sie dort Einkommen generieren, wo sie können, und nicht „Charity“ oder eine „hier gibt es alles umsonst“-Mentalität betreiben. Hilfe zur Selbsthilfe und Nachhaltigkeit sind das Ziel. Social Entrepreneurs, die profitabel werden, reinvestieren – analog zu Yunus‘ Verständnis von Social Business – ihre Gewinne wieder, um ihr gemeinwohlorientiertes Geschäftsmodell auszubreiten. In Bereichen wie Umweltschutz, wirtschaftliche Entwicklung oder Gesundheit schaffen es immer mehr Social Entrepreneurs, Modelle aufzusetzen, die sich komplett selbst finanzieren. Ashoka steht ihnen hierbei mit beratenden Netzwerken zur Seite. Aber auch das dauert meist seine Zeit: Die Grameen Bank, das weltweit erfolgreiche Mikrokreditinstitut und wohl bekannteste Social Business, wurde 1973 von Muhammad Yunus gegründet und ist erst seit 1998 unabhängig von Spenden.

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