Häufig gestellte Fragen zu Ashoka

1. Wer/Was ist Ashoka?

Ashoka ist die älteste und größte Organisation zur Förderung von Sozialunternehmern (oder engl.: Social Entrepreneurs). Sie ist eine überkonfessionelle, überparteiliche Organisation mit Hauptsitz in Washington und gemeinnützigen Tochtergesellschaften rund um die Welt.

Ashoka wurde 1980 vom Sozialunternehmer Bill Drayton gegründet, der zuvor u.a. auch als Unternehmensberater und stellvertretender Leiter der amerikanischen Umweltbehörde tätig war. Ashoka ist heute in über 80 Ländern aktiv und fördert gut 3.000 Sozialunternehmer als „Ashoka Fellows“. Die ersten Fellows wurden 1980 in Indien ausgewählt.

In Deutschland wurde Ashoka 2003 als gGmbH gegründet. Alleingesellschafterin ist Ashoka Innovators for the Public, USA.
Der erste Fellow wurde in Deutschland 2005 ausgewählt. Heute arbeitet Ashoka Deutschland (lernen Sie das Team kennen) an den Standorten München, Berlin und Hamburg. Die Ashoka Deutschland gGmbH ist keine Stiftung und finanziert sich ausschließlich aus privaten Spenden und Unternehmens- und Stiftungszuwendungen. Derzeit werden 51 Ashoka Fellows unterstützt.

Neben dem Such- und Auswahl-Programm (Ashoka Venture) und dem Fellowprogramm (Ashoka Fellowship) wird Ashoka in weiteren Initiativen aktiv, durch die Rahmenbedingungen für Social Entrepreneurship in Deutschland verbessert werden können. Dazu gehören beispielsweise die Implementierung des Social Reporting Standards oder Projekte in den Fokusbereichen "Finanzierung neu denken" (z.B. Gründung der Finanzierungsagentur für Social Entrepreneurship FASE) und "Karrierewege für Weltveränderer" sowie die Aktivitäten in der Förderung von selbstbestimmtem Engagement Jugendlicher. Auch an internationalen Projekten ist Ashoka Deutschland beteiligt.

Die Satzung der Ashoka Deutschland gGmbH können Sie hier einsehen.

 

2. Woher kommt der Name Ashoka?

Der Name: Ashoka ist ein Wort, das sich in fast allen Sprachen der Welt aussprechen lässt. Es kommt aus dem Sanskrit und bedeutet „das aktive Überwinden von Missständen“.

Der Name geht auch zurück auf den indischen Fürsten Ashoka, der sich im 3. Jahrhundert vor Christus nach Jahren kriegerischer Herrschaft auf dem indischen Subkontinent für Toleranz, Freiheit und ökonomischen Wohlstand einsetzte.

3. Was ist ein Social Entrepreneur/Sozialunternehmer?

Das Wort Social Entrepreneur hat Ashokas Gründer Bill Drayton geprägt.

Social Entrepreneurs treten mit dem Ziel an, innovative unternehmerische Lösungen für drängende soziale Probleme zu finden und umzusetzen. Sie sind in einer "Everyone a changemaker"-Gesellschaft diejenigen, welche die Organisationen, sozialen Bewegungen und Mechanismen zur Überwindung gesellschaftlicher Probleme schaffen.

Weil Social Entrepreneurs systemisch denken, verankern sie ihre Ansätze unabhängig von sich in der Gesellschaft: Sie sind nicht interessiert daran, einen Kindergarten zu bauen, sondern ein besseres System der Kinderbetreuung im ganzen Land zu verbreiten. Sie sind nicht zufrieden, wenn ihr Konzept an einem Ort funktioniert, sondern wollen das zugrunde liegende Erfolgsrezept überall dorthin bringen, wo es gebraucht wird. Und sie inspirieren Menschen, sich als soziale Aktivisten, soziale Manager und soziale Geschäftsleute einzubringen.

Mit dem klassischen Unternehmer aus der Wirtschaft teilen Social Entrepreneurs Unternehmergeist, Visionskraft, Pragmatismus, Kreativität und Wille zum Erfolg. Sie sind jedoch gemeinnützig tätig (siehe auch Frage 11 und 12).

Ashoka fördert nicht alle Social Entrepreneurs, sondern als Ashoka Fellows nur diejenigen, die eine neue Idee mit einer systemverändernden gesellschaftlichen Wirkung verbreiten – und als Senior Fellows nur diejenigen, die ihre Idee bereits erfolgreich skaliert haben.

4. Warum unterstützt Ashoka Social Entrepreneurs?

Ashoka ist überzeugt, dass Social Entrepreneurs die Motoren einer globalen Zivilgesellschaft sind, eine Art Forschungs- und Entwicklungsabteilung für das Soziale. Es gibt weniges was stärker ist als eine gute Idee in den Händen einer redlichen Unternehmerpersönlichkeit. Das gilt für die Wirtschaft genauso wie für den sozialen Sektor.

5. Wie unterstützt Ashoka Social Entrepreneurs?

Ashoka stellt für die Social Entrepreneurs (und damit für die Verbreitung von sozialen Innovationen) eine dreifache Hebelwirkung dar:

  1. Auswahl und Förderung der Social Entrepreneurs
    Ashoka ermöglicht den Social Entrepreneurs erstens durch die Auswahl ein Selbstverständnis und zweitens (bei Bedarf) durch ein Lebenshaltungsstipendium die Möglichkeit, sich voll auf die Umsetzung und Verbreitung ihrer innovativen Idee zu konzentrieren.
  2. Vernetzung mit anderen Social Entrepreneurs.
    Durch Vernetzung untereinander wird eine professionelle Infrastruktur im sozialen Sektor gelegt und die bisher getrennten Bemühungen zur Lösung sozialer Probleme werden integriert.
  3. Vernetzung mit Akteuren aus der Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft
    Ashoka unterstützt den Transfer von know-how zwischen den Sektoren durch Einbindung seiner Partner in die Arbeit von Social Entrepreneurs. Das kann die Form von pro-bono-Leistungen annehmen (beispielsweise Strategieberatung, Rechtsberatung, Kommunikationsberatung) bis hin zu innovativen Kooperationsmodellen zwischen Unternehmern und Social Entrepreneurs.

6. Wie werden die Ashoka Fellows ausgewählt?

Die jährlich 5-7 Ashoka Fellows in Deutschland werden in der Regel aus 200 bis 300 nominierten Kandidaten in einem sehr aufwändigen Prozess ausgewählt. Die Auswahlkriterien und der Auswahlprozesse sind bei Ashoka in allen Ländern identisch. Die fünf Kriterien lauten (Details hier):

a) Neue Idee

b) Gesellschaftliche Wirkung / Potenzial zur Problemlösung

c) Unternehmerische Umsetzung

d) Kreativität

e) Vertrauenswürdigkeit und Integrität

Ashoka Deutschland nimmt auf einer laufenden Basis Nominierungen an, jedoch können nicht alle Nominierungen sofort bearbeitet werden - was neben der großen Anzahl an Vorschlägen auch am Jahreszyklus der Auswahl liegt. Wir prüfen alle eingehenden Nominierungen ausführlich und nehmen dann Kontakt zu denjenigen Kandidaten auf, bei denen wir eine enge Übereinstimmung mit unseren Auswahlkriterien sehen. Eine kleine Gruppe der KandidatInnen wird dann nochmals von internationalen Auswahljurys befragt. Die letzte Entscheidung trifft der globale Aufsichtsrat von Ashoka.

7. Wer finanziert Ashoka in Deutschland?

Hauptsächlich durch ein Netzwerk von etwa 40 Unternehmern, Führungskräften aus der Wirtschaft und Unternehmerfamilien. Darüber hinaus werden wir finanziell von Stiftungen gefördert.Zudem erhalten Ashoka und die Ashoka Fellows große Sachleistungen durch pro bono Partner.

Nähere Informationen finden Sie auf den Seiten zum Ashoka Support Netzwerk und unseren Partnern.

8. Was ist die Motivation von privaten Unternehmen und Privatpersonen, ein solches Programm zu unterstützen?

  1. Ashoka steht für soziale Innovation – systematisch soll die Gesellschaft von unten verbessert werden. Daran haben alle Förderer in ihrer Rolle als Bürger Interesse.
  2. Unternehmerische Persönlichkeiten erkennen sich in den Social Entrepreneurs wieder. Sie haben in der Wirtschaft die Kraft des unternehmerischen Denkens kennengelernt und möchten, dass auch der soziale Sektor davon profitiert. 
  3. Ashoka bildet neue Netzwerke, sowohl innerhalb des sozialen Sektors als auch zwischen Zivilsektor und Wirtschaft – viele Investoren möchten nicht nur finanzieren, sondern ihre Expertise persönlich in solchen Netzwerken einbringen. Es macht ihnen Spaß, in den schwierigsten aller Sektoren Gründer zu unterstützen.
  4. Unsere pro-bono-Partner und andere Förderer lernen durch ihr Engagement sehr viel über die Herausforderungen des sozialen Sektors in Deutschland und darüber hinaus.

 

9. Weshalb finanziert sich Ashoka nur durch private Gelder?

Staatliche Gelder haben v.a. in Entwicklungsländern das Problem, dass man sich mit ihnen an ein bestimmtes System (evtl. sogar korrupt) bindet. Der soziale Wandel, der durch Ashoka Fellows auf der ganzen Welt betrieben wird, würde so aufgehalten. Manche Fellows arbeiten an Themen, die eine Regierung mitunter gerne ignoriert oder verneint (von HIV über Kindersklaverei) und dürfen sich gerade dann nicht von einer Regierung abhängig machen. Diese Einsicht wird auch in funktionierenden Demokratien weiter genutzt.

10. Wie viel Unternehmertum verträgt ein soziales Anliegen?

Für Ashoka ergänzen sich Unternehmertum und soziale Ziele. Unternehmertum ist hier im weiteren Sinne der „Unternehmung“ gemeint: als kreative Tätigkeit, als Aufbau eines innovativen, skalierbaren Konzepts. Der Unternehmer ist "schöpferischer Zerstörer" im Schumpeterschen Sinne.

Das Ziel von Social Entrepreneurs ist es nicht, ein profitables Business Modell zu stricken und Geld zu verdienen (siehe auch Frage 11). Dem Social Entrepreneur geht es darum, das richtige Modell zu entwickeln, ein gesellschaftliches Problem nachhaltig zu lösen.

11. Verdienen Social Entrepreneurs Geld?

Der Inhalt und das Ziel der Arbeit von Social Entrepreneurs ist gemeinnütziger Natur. Sich selbst zu bereichern ist nicht ihr Ziel. Sie arbeiten daran, Menschen zu helfen, sich selbst zu helfen, und soziale Missstände zu lösen.

Ashoka Fellows haben in der Regel kein selbsttragendes Finanzierungsmodell sondern sind zumindest teilweise von Spenden und Zuwendungen abhängig. Warum ist das so? Es gibt im sozialen Sektor oft keinen Markt und kein freies Spiel von Angebot und Nachfrage, das es erlauben würde, einen Preis für Dienstleistungen zu nehmen. Saubere Flüsse in Indien sind klasse – für die Umwelt, für die Menschen, für die Volkswirtschaft. Aber derjenige, der das dazu notwendige System implementiert und Kommunen, Politik und Betriebe in mühsamer Arbeit und gegen große Widerstände davon überzeugt, Klärsysteme zu bauen, wird für diese Arbeit nicht von Kommunen oder Betrieben bezahlt werden. Wer von Gewalt und Drogen geplagten Schulen hilft, hat es schwer, angemessen Geld zu verlangen: Schulen haben kein freies Budget, Eltern, Schüler und Lehrer müssen davon überzeugt werden, ihren Teil beizusteuern.

Social Entrepreneurs verschließen sich nicht der Möglichkeit, eigene Erträge generieren, wenn es möglich und sinnvoll ist. Hilfe zur Selbsthilfe ist das Ziel. Und Nachhaltigkeit. Social Entrepreneurs, die mit "Social Businesses" profitabel werden, reinvestieren Gewinne wieder, um ihr Modell weiter verbreiten zu können.

In Bereichen wie Umweltschutz, wirtschaftliche Entwicklung oder Gesundheit schaffen es mehr Social Entrepreneurs, Modelle aufzusetzen, die sich komplett selbst finanzieren. Aber auch das dauert meist seine Zeit: Die Grameen Bank, das weltweit erfolgreiche Mikrokreditinstitut, wurde 1973 von Muhamad Yunus gegründet und ist erst seit 1998 unabhängig von Spenden.

12. Was ist die Ashoka Jugendinitiative (Youth Venture)?

Die Jugendinitiative setzt darauf, dass die Jugendlichen eines Landes früh lernen, Verantwortung zu tragen und soziale Initiativen ins Rollen zu bringen. Durch diese Erfahrung in der Jugend werden sie auch später nie passiv sein, wenn sich Herausforderungen oder gar Probleme ergeben – sie werden lernen, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.

13. Wer ist der Gründer Bill Drayton?

Bill Drayton gründete schon während seiner Schulzeit und seines Studiums (BA 1965 in Harvard, MA 1967 Oxford, JD 1970 Yale Law School) eine Reihe von Organisationen, u.a. Schülerzeitungen, den Ashoka Table in Harvard und den Yale Legislative Service in Yale.

Er war aktiv in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, arbeitete nach seinem Abschluss als Berater bei McKinsey, reiste nach Indien, um Gandhis Reformen und die Grüne Revolution zu verstehen und wechselte dann während der Carter-Regierung als stellvertretende Leiter zur Enviromental Protection Agency, wo er unter anderem erstmalig das Konzept des Emissionshandels einführte. 1980 gründete er mit Freunden Ashoka.

Bill Drayton lehrte in Harvard und Stanford und hat eine Reihe von Auszeichnungen und Preisen gewonnen. 2005 wurde er vom Harvard's Center for Public Leadership zu den 25 „Best Leaders“ der Vereinigten Staaten gewählt, u.a. neben dem Microsoft Gründer Bill Gates und den Google Gründern Larry Page und Sergey Brin.

 

Stand: Februar 2015