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Rodrigo Baggio

Digitale Zukunft für alle

Rodrigo Baggio stammt aus einer Mittelklasse-Familie aus Rio de Janeiro. Er brach die Uni ab, arbeitete eine Zeit lang bei einem Informationstechnologie-Konzern und gründete dann seine eigene Software-Firma. Schon als Jugendlicher hatte er jedoch begonnen, als Freiwilliger in den Favelas, den Slums seiner Heimatstadt, zu arbeiten. Und er erkannte zwei große Probleme.

Das gesellschaftliche Problem:

Die digitale Revolution geht allein in Brasilien an 38 Millionen Menschen vorbei, die in den Slums oder entlegen auf dem Land leben und keine Computerkenntnisse oder Internet-Anschluss haben. War früher Besitz entscheidend für den sozialen Aufstieg einer Person, so ist es heute der Umgang und der Zugang zu Wissen und Information. Außerdem herrscht in den Favelas von Brasilien das Gesetz von Drogen und Gewalt — mit fataler Anziehungskraft: Die meisten Slum-Kinder geben als Berufswunsch 'Drogenhändler' an — denn die sind reich, haben Macht, Frauen, Autos. Und sie sterben im Schnitt mit 25 Jahren.

Die Idee

Rodrigo gründete das CDI, das Comittee für Demokratisierung und Informationstechnologie'. Das CDI hat zum Ziel, 'Menschenrechts- und Computerschulen' in Favelas zu eröffnen. Die Favela-Gemeinde stellt den Raum zur Verfügung, CDI installiert die Computer und bildet 2 junge Menschen aus dem Slum als Lehrer aus. Anschließend lernen in jeder Schule im Monat bis zu 120 arme und halb-alphabetisierte Kinder zwischen 7 und 18 Jahren, 60 % davon schwarz, wie man einen Computer benutzt — aber nicht nur das: Die Kinder erwerben ihre IT-Fähigkeiten, indem sie ein Thema beackern, das für sie in ihrer Umgebung unmittelbare Relevanz hat, z.B. Drogenhandel oder Abtreibung: Um mehr darüber herauszufinden, benutzen sie das Internet. Um Poster anzufertigen und in der Gemeinde aufzuhängen, benutzen sie einen Foto-Editor und Powerpoint. Um einen Newsletter anzufertigen, benutzen sie Word. Um Datenbänke anzulegen, Exel. So werden die Kleinen nicht nur 'computertechnisch' fit, sondern beschäftigen sich auch mit Problemen, die ansonsten tabu sind, zu denen sie durch das glamouröse Image von Computern aber auf einmal einen 'sexy' bzw. 'coolen' Zugang finden.

Das Ergebnis

Über CDI hat Rodrigo inzwischen mehr als 800 Schulen in 11 Ländern in Südamerika, Asien und Afrika gegründet, fast eine halbe Million Kinder haben die Kurse besucht, mehr als 1600 junge Menschen sind als Lehrer ausgebildet worden.
Die Resultate sind enorm: Ein unabhängiges Markforschungsinstitut hat ermittelt, dass mehr als 87 Prozent aller Absolventen von CDI die Erfahrung als ausschlaggebend ansahen, ihr Leben zu ändern. Das heißt konkret: zurück zur Schule gehen, eine Ausbildung anfangen, andere Vorbilder als das des Drogendealers entwickeln. Manche Jugendliche gründen eigene IT-Unternehmen, Werbeagenturen oder Nachbarschaftshilfen. 90 Prozent wollen weitere CDI-Kurse absolvieren, 79 Prozent denken, sie haben im Leben jetzt bessere Aufstiegschancen. Zu den Unterstützern von CDI gehören u.a. Microsoft, Accenture und IBM.


Und was hat Ashoka mit dem Erfolg seiner Fellows zu tun?


Social Entrepreneur zu sein ist wichtig, aber nicht einfach. Es ist wichtig, weil Social Entrepreneurs diejenigen sind, die mit ihrer Arbeit systemverändernd Weichen stellen, damit Kinder besser lernen, Ausländer sich heimisch fühlen, oder Jugendliche ihr Leben optimistisch als Chance begreifen. Es ist nicht einfach, weil im Nonprofit-Bereich in der Regel nicht wie in der Wirtschaft Banken oder Business-Angels mit Krediten und Know-how bereitstehen, um einem in der schwierigen Gründungsphase unter die Arme zu greifen.
Ashoka ermöglicht seinen Fellows durch finanziellen, moralischen und professionellen Rückhalt, ihre Arbeiten auszuführen, ihre Idee zu implementieren, sich zu beweisen, und dann zu wachsen.
Beispiel Rodrigo Baggio:
Rodrigo wusste, was er wollte — er hatte einen Traum gehabt, in dem er arme Kinder mit Computern umgehen sah. Das war der Anstoß zur Gründung von CDI gewesen. Aber die erste Zeit war beschwerlich.
Rodrigo arbeitete tagsüber an CDI, nachts kümmerte er sich um seine kleine Firma — irgendwie musste er ja Geld verdienen. Nach zwei Jahren war er an dem Zeitpunkt, wo er sich entscheiden musste: CDI oder Business. Er wollte ersteres, wusste aber nicht, wie er damit seine Frau und seinen Sohn ernähren könnte. Den entscheidenden Schritt, seine Firma aufzugeben und sich ganz CDI zu widmen, konnte er erst tun, als Ashoka ihm für drei Jahre monatlich ein Stipendium zahlte, das seinen Lebensunterhalt und den seiner Familie abdeckte. Ohne Ashoka, sagt Rodrigo, hätte er CDI nie so professionalisieren und aufbauen können. Außerdem, habe er sich durch Ashoka zum ersten Mal ernst genommen gefühlt: endlich glaubte jemand an ihn, ermutigte ihn und sagte nicht, wie er es sonst immer hörte, er sei verrückt, Computer in die Slums zu tragen: Slumbewohner seien 'zu dumm und gefährlich' für Computer. Gleichzeitig lernte er durch Ashoka andere Social Entrepreneurs kennen, 'Geistesverwandte', wie er meint. Ashoka Fellows in anderen Ländern halfen Rodrigo bei der Ausbreitung seiner Idee. Durch Ashoka erhielt Rodrigo auch Kontakte zu Unternehmen wie McKinsey, die ihm bei der Erstellung eines Businessplans halfen, und Microsoft, jetzt einer der größten Sponsoren von CDI.