Videoportrait von Ashoka Fellow Annette Habert

Annette Habert schafft durch neue Unterstützungssysteme mehr Bindungssicherheit für Kinder mit zwei Elternhäusern.

„Mein Papa wohnt am Bodensee. Er besucht mich jedes Wochenende, aber das geht nur im Sommer. Da kann er im Auto schlafen. Kannst du da was machen?“ Als der neunjährige Sven diesen Wunsch gegenüber Annette Habert ausgesprochen hatte, war die Idee zu „Mein Papa kommt“ geboren, dem Kernprojekt von Flechtwerk 2+1.

Kinder brauchen Vertrauen in die Tragfähigkeit von Beziehungen. Das gilt erst recht nach der Erfahrung der Trennung ihrer Eltern – eine Erfahrung, die jedes sechste Kind macht. Unsere gesellschaftlichen Strukturen sind aber nicht auf die damit oft entstehende Multilokalität von Familie eingestellt. Das möchte Annette Habert ändern: Das Flechtwerk 2+1-Besuchsprogramm für Kinder mit zwei Elternhäusern ist ein einmaliges, präventionsorientiertes Unterstützungsangebot für Distanzfamilien. Auf niedrigschwellige, pragmatische Art und Weise ermöglicht es tragfähige Beziehungen trotz Trennung und Distanz: Durch die Einbindung ehrenamtlicher Gastgeber und von „Kinderzimmern auf Zeit“ wird besuchenden Eltern am Wohnort des Kindes eine möglichst unkomplizierte Zeit mit ihren Kindern ermöglicht. Das spart Hotelkosten, die oft die finanziellen Möglichkeiten der Eltern übersteigen.

Das so entstehende Flechtwerk sendet eine zentrale Botschaft: Ihr seid gesellschaftlich eingebunden, die Beziehung zu Euren Kindern wichtig. Kindern aus Trennungsfamilien wird die Erfahrung ermöglicht, dass Beziehungsabbrüche positiv gestaltbar sind. Neben dem Ausbau des Programms setzt sich Flechtwerk2+1 für eine Veränderung des gesellschaftlichen Standards ein, damit die Lebensform von zwei Elternhäusern zu einem Teil der gesellschaftlichen Normalität wird.

Kamera: Christian Klant, Kerstin Polte / Schnitt: Kerstin Polte

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