Willkommen in der Heimat der Changemaker: Die neuen Ashoka Fellows

Sie haben neue Lösungen für die Prävention und Behandlung von Frühgeborenen, für die Finanzierung von Bildung, für den Zusammenhalt von Familien, für neue Lernerlebnisse in Schulen und für global nachhaltige Finanzströme geschaffen – die neuen Ashoka Fellows. Mit fünfhundert Unterstützern haben wir heute in Berlin ihre Aufnahme in das globale Ashoka Fellow-Netzwerk gefeiert. Mit dabei: Kailash Satyarthi, Pionier im Kampf gegen Kinderarbeit, Friedensnobelpreisträger und Ashoka Fellow seit 1993.

Gründer für das Gute – die neuen Ashoka Fellows (v.l.n.r.): Jacob Radloff (oekom verlag / oekom research), Annette Habert (Flechtwerk 2+1), Mira Maier (Initiative für transparente Studienförderung), Roman R. Rüdiger (buddY E.V. – Forum neue Lernkultur), Silke Mader (EFCNI) // Kailash Satyarthi heißt die neuen Fellow im globalen NEtzwerk willkommen und gibt Einblick in seine Reise als Social Entrepreneur und Pionier gegen Kinderarbeit
(Bilder: Christian Klant)

Die neuen Ashoka Fellows

starthelferin – starkmacherin – interessenvertreterin

Silke Mader | European Foundation for the Care of Newborn Infants (EFCNI)

… ermöglicht Früh- und Neugeborenen einen besseren Start ins Leben, indem sie für Standards in Prävention, Versorgung und Nachsorge eintritt.

Weltweit wird jedes zehnte Baby zu früh geboren – Tendenz steigend. Oft ist das kein Problem, doch über 60 Prozent aller Todesfälle von Kindern bis zum 5. Lebensjahr sind darauf zurückzuführen; viele Betroffene spüren die Folgen ein Leben lang. Versorgungsmöglichkeiten und -standards für Frühgeborene schwanken je nach Land, Region oder sogar Krankenhaus stark. Silke Mader hat diese Herausforderung als Mutter von frühgeborenen Zwillingen selbst hautnah erlebt – und setzt sich seitdem für die Kleinsten unserer Gesellschaft ein. Nach jahrelangem Engagement in Patientenvertretungen wurde ihr bewusst, dass die Herausforderungen in Prävention, Versorgung und Nachsorge von Frühgeborenen nur zu lösen sind, wenn sie groß denkt: international, fachübergreifend, integriert. Als Mitbegründerin von EFCNI setzte sich seit 2008 zunächst erfolgreich für die Vernetzung und Professionalisierung von Elternorganisationen europaweit ein, damit diese auf Augenhöhe mit medizinischen Gesellschaften, Ärzten und Politikern die Versorgung von Frühgeborenen gestalten können. Parallel schaffte sie dank eines Benchmark-Berichts sowie politischer Handlungsempfehlungen, dass das Thema international auf die Agenda gehoben wurde. Global richtet der von EFCNI initiierte Welt-Frühgeborenen-Tag am 17. November immer wieder die Aufmerksamkeit von Millionen auf das Thema.

Aber damit nicht genug: Aktuell koordiniert EFCNI die von ihr initiierte Erstellung von harmonisierten Standards zur Versorgung von Früh- und kranken Neugeborenen in ganz Europa. Hier kommen erstmals Vertreter verschiedener Disziplinen, Fachgesellschaften, Organisationen und Elternverbände unter der Federführung einer Patientenorganisation zusammen, um gemeinsam Standards zu erstellen – und später zu implementieren.

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sichtbarmacherin – hürdenüberwinderin – chancengeberin

Mira Maier | Initiative für transparente Studienförderung

… hilft durch mehr Transparenz und neue Stipendien finanzielle Hürden für ein Studium zu überwinden.

„Stipendien – das ist doch was für Hochbegabte oder sozial Benachteiligte!“ – Dachten Sie auch? Mitnichten. Die Förderlandschaft ist vielfältig – und bleibt zu oft ungenutzt. Fehlende Information, hartnäckige Mythen und Intransparenz führen dazu, dass finanzielle Hürden immer noch Hauptgrund gegen den Beginn oder für die Aufgabe eines Studiums trotz ausreichender Qualifikation sind. Mira Maier will durch die Initiative für transparente Studienförderung erreichen, dass in Europa Studienwünsche und Studienabschlüsse nicht mehr an finanziellen Hürden scheitern. Dabei fokussiert die Initiative auf zwei Kernbereiche: Sie schafft Transparenz für einen chancengerechten Zugang zur Studienförderlandschaft und eine bessere Ausschöpfung bisher verfügbarer Mittel. Die Plattformen mystipendium.de und european-funding-guide.eu geben die Möglichkeit in wenigen Minuten entlang des eigenen Lebenslaufes Fördermöglichkeiten zu finden. Auch die enge Zusammenarbeit mit Schulen und Universitäten ist für die Initiative zentral, um aufzuklären, die Beratung zu verbessern und Orientierung zu erleichtern.

Gleichzeitig geht Mira Maier noch einen Schritt weiter und schafft einfache Grundlagen für die Gründung neuer Stipendienprogramme – für bestimmte Zielgruppen wie beispielsweise Studierende mit körperlicher oder psychischer Beeinträchtigung (barrierefrei-studieren.de), aber auch für Unternehmen auf der Suche nach Fachkräften und an Bildungsförderung Interessierte. Perspektivisch soll jeder, der jemandem ein Studium ermöglichen möchte, dies durch die Unterstützung von Mira Maiers Initiative leicht tun können.

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lerngestalter – perspektivencoach – haltungsveränderer

Roman R. Rüdiger | buddY E.V. – Forum Neue Lernkultur

… fördert mit innovativen Konzepten Kompetenzentwicklung und Bildungserfolg in Schulen, Familien und Universitäten.

In kaum einem europäischen Land ist der Zusammenhang zwischen familiärer Herkunft und beruflichem Erfolg so stark ausgeprägt wie in Deutschland. Mit schwerwiegenden Folgen: Ein Fünftel der Schulabgänger gilt als nicht ausbildungsfähig, Unternehmer beklagen den Fachkräftemangel und der gesellschaftliche Zusammenhalt leidet unter einem Auseinanderdriften der Schichten. Bildungserfolg bedeutet mehr als das Erreichen von Schulabschlüssen. Roman R. Rüdiger setzt sich dafür ein Lehr-, Lern- und Beziehungskultur in Familien, Universitäten und Schulen zu verändern. Mit dem Ziel, dass Kinder und Jugendliche durch die sie begleitenden Erwachsenen stets befähigt werden, ein erfolgreiches und selbstbestimmtes Leben zu führen.

Im familY-Programm werden die Bildungskompetenzen von Eltern gefördert und Familien in ihrer Funktion als wichtigste Bildungsinstitution unterstützt. Das buddY-Programm ist schon heute das größte private Schulentwicklungsprogramm in Deutschland und trainiert, unterstützt und begleitet Schulen in ihren Reformprozessen, damit Kinder und Jugendliche zentrale Kompetenzen auch in der Schule über eigene Lernerfahrungen erwerben können. Zentral hierbei sind Verhalten und Haltung des Lehrpersonals, das die Rolle eines Begleiters einnimmt. Hier setzt das neue studY-Programm an: Mit dem Ziel die universitäre Lehrerausbildung zukünftig neu auszurichten.

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familienhandwerkerin – brückenbauerin – beziehungsgestalterin

Annette Habert | Flechtwerk 2+1 

… schafft durch neue Unterstützungssysteme mehr Bindungssicherheit für Kinder mit zwei Elternhäusern.

„Mein Papa wohnt am Bodensee. Er besucht mich jedes Wochenende, aber das geht nur im Sommer. Da kann er im Auto schlafen. Kannst du da was machen?“ Als der neunjährige Sven diesen Wunsch gegenüber Annette Habert ausgesprochen hatte, war die Idee zu „Mein Papa kommt“ geboren, dem Kernprojekt von Flechtwerk 2+1.

Kinder brauchen Vertrauen in die Tragfähigkeit von Beziehungen. Das gilt erst recht nach der Erfahrung der Trennung ihrer Eltern – eine Erfahrung, die jedes sechste Kind macht. Unsere gesellschaftlichen Strukturen sind aber nicht auf die damit oft entstehende Multilokalität von Familie eingestellt.

Das möchte Annette Habert ändern: Das Flechtwerk 2+1-Besuchsprogramm für Kinder mit zwei Elternhäusern ist ein einmaliges, präventionsorientiertes Unterstützungsangebot für Distanzfamilien. Auf niedrigschwellige, pragmatische Art und Weise ermöglicht es tragfähige Beziehungen trotz Trennung und Distanz: Durch die Einbindung ehrenamtlicher Gastgeber und von „Kinderzimmern auf Zeit“ wird besuchenden Eltern am Wohnort des Kindes eine möglichst unkomplizierte Zeit mit ihren Kindern ermöglicht. Das spart Hotelkosten, die oft die finanziellen Möglichkeiten der Eltern übersteigen. Das so entstehende Flechtwerk sendet eine zentrale Botschaft: Ihr seid gesellschaftlich eingebunden, die Beziehung zu Euren Kindern wichtig. Kindern aus Trennungsfamilien wird die Erfahrung ermöglicht, dass Beziehungsabbrüche positiv gestaltbar sind.

Neben dem Ausbau des Programms setzt sich Flechtwerk2+1 für eine Veränderung des gesellschaftlichen Standards ein, damit die Lebensform von zwei Elternhäusern zu einem Teil der gesellschaftlichen Normalität wird.

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themenstarter – ressourcenlenker – folgenaufklärer

Jacob Radloff | oekom verlag / oekom research AG

... macht die Folgen unseres Handelns sichtbar und mobilisiert Informationen, Meinungsführer und globale Finanzströme für einen verantwortlichen Umgang mit der Erde.

Was brauchen Konsumenten, Unternehmen und Investoren, um im Interesse unserer Welt und aller Menschen auf diesem Planeten zu handeln? Jacob Radloff hat mit dem oekom-verlag und der Rating-Agentur oekom research zwei national und international führende Informationsplattformen geschaffen, die große Hebel ansetzen, um Denken und Verhalten zu ändern. Bereits als Kind hat Jacob Radloff in dem Dorf, in dem er aufwuchs, Menschen für Umweltschutz mobilisiert. Als Teenager begann er Zeitschriften zu gründen, aus denen eine zur Schlüsselzeitschrift der Umweltbewegung wurde und sich schließlich ein ganzer Verlag entwickelte, der von Energiesparen bis Slow Food zahlreiche gesellschaftlich relevante Themen vorantreibt. oekom research bewertet als Marktführer weltweit alle führenden Unternehmen und Staaten hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit und beeinflusst so Investitionen in gewaltigen Größenordnungen. Als Ashoka Senior Fellow möchte sich Jacob Radloff auch den nächsten großen Ideen zuwenden, die Informationen so zu nutzen, dass sie allen nützen.

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Weiterführende Informationen:

  • Wie man Ashoka Fellow wird: Weltweit einheitliche Auswahlkriterien und ein strenger Auswahlprozess
  • 2-seitige Profile aller 56 Social Entrepreneurs im Deutschen Netzwerk
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